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Ein Beitrag von Julia Riedhammer, gesendet am 1. Oktober 2008

Das RIAS Jugendorchester ist das älteste Jugendorchester der Welt, seit 60 Jahren lernt hier der Musikernachwuchs für die Arbeit in den großen Orchestern. Seit dem Jahr 2005 muss sich dieses Orchester alleine finanzieren und zu diesem Zweck bietet es jetzt eine Dienst leistung an: Mana ger-Seminare. Führungskräfte aus der Wirtschaft dirigieren das Symphonie or ches ter und sollen dabei allerhand über ihren eigenen Führungsstil und über die Reaktion einer Grup pe auf sie er fah ren. Ob das funktioniert, das hat sich unsere Reporterin Julia Riedhammer angesehen.

Den Taktstock fest in der Hand, eine kleine Falte zwischen den Augen. Ein Teilnehmer, Chef der Unternehmenskommunikation eines deutschen Unternehmens, dirigiert. Im Probensaal der Ber li ner Philharmonie lernt er zusammen mit sechs anderen Managern Grundlagen des Dirigierens. Bevor die Manager ein ganzes Symphonieorchester vor sich haben, üben sie mit dem Klavier. Konzentriert sieht der Manager den Pianisten an, der spielen soll, was er ihm vor­gibt. Was für einen Dirigenten ganz einfach ist, sollen die Manager im Seminar ler nen: den richtigen Impuls geben, klar und eindeutig muss er sein, die Körpersprache überzeu gend. Bei sich sein, das Stück innerlich vor sich haben, den Rhythmus spüren, atmen und dann klappt der Einsatz. Diese Erfahrung lässt sich auch auf Unternehmen übertragen, findet der Seminar-Teilnehmer. „Also gerade in der Anfangssituation gibt es, glaube ich, viel zu lernen aus der Orchesterarbeit. Es kommt erstmal darauf an, dass der Anführer das, was er vermitteln will, gut kennt. In der Musik ist es die Partitur, im Unternehmen ist es die Unternehmens stra te gie. Die muss er erfasst haben. Und dann muss er oder sie dieses übertragen mit gestischen Mit teln, übertragen auf Management heißt das, nicht Überinformation, sondern wohldosierte Impulsge­bung in der richtigen, motivierenden Art und Weise.“

Es ist soweit: nach drei Stunden Dirigier-Seminar stehen die Manager vor dem Orchester. 60 Mus iker füllen den Saal, beim Stimmen übernimmt noch der Konzertmeister die Führung, dann gibt er die Leitung ab, an den Dirigier-Novizen. Mit großen Schritten steigt dieser auf’s Podest, die Hände zu Fäusten geballt, der Oberkörper nach vorne geneigt. (Musikausschnitt) So ganz zufrie den ist das Orchester noch nicht mit dem neuen Dirigenten. Die erste Cellistin: „Es sieht ein biss chen so aus als er hätte er sich das zurechtgelegt, so wie er das machen will, dass er das viel leicht geübt hat, die Bewegung so und so auszuführen. Und was jetzt schön wäre, wenn er jetzt mit uns arbeiten würde, wäre, dass er wirklich Kontakt zu uns aufnimmt, also dass er uns an schaut und dass man merkt, dass er wahrnimmt was wir tun.“

Führen heißt nicht Herrschen, sondern vor allem Kommunizieren. Auch das spüren die Manager beim Dirigieren. Der Manager-Maestro setzt noch einmal an. Er hebt den Taktstock, die Schul­tern sind locker, das Gewicht auf beide Beine verteilt. Der Blick zur Geige, zum Cello, zum Bass und (Musikausschnitt). Er lächelt stolz und verbeugt sich. Der neue Dirigent legt den Taktstock zurück auf’s Pult. Sein Fazit: „Ich bin 45 Jahre im Beruf und einige Jahrzehnte in Lei­tungs funktionen. Inso fern habe ich sozusagen schon eine Vorstellung von Führung und wie sie sein sollte. Und da ist mir noch mal sehr viel verdeutlicht worden, was man nicht machen sollte und welche Verhaltens weisen zu einem für die Gruppe motivierenden Ergebnis führen. Ein Er­leb nis ganz besonderer Art, und ein auch beglückendes Erlebnis. Selbst wenn man noch sehr dilettan tisch agiert, ist es doch schön zu sehen, wie Menschen mit freudigem Gesicht einem fol­gen.“

Abmoderation
Das Managerseminar mit dem RIAS Jugendorchester. Mehr Informationen zu diesen Seminaren finden Sie auf unserer Homepage unter kulturradio.de und dann in der Rubrik „Jetzt im Programm“.